Umfeldgestaltung – Natur und Nutzung verbinden

30. Juni 2022

Bei der Renaturierung und Umfeldgestaltung der Kleingewässer auf Rügen steht der naturschutzfachliche Aspekt an erster Stelle. Doch damit allein ist es nicht so leicht, die Gemeinden für die Idee des Biotopverbundes zu gewinnen. Im Idealfall profitieren alle Seiten von dem Projekt.

Renaturierung der Kleingewässer

Um die Qualität der Lebensräume im und am Gewässer für bereits vorkommende, aber auch hoffentlich in Zukunft neu angesiedelte Arten zu verbessern, sind verschiedene Maßnahmen vorgesehen. Zum einen sind an mehreren Gewässern bereits biologische und konventionelle Maßnahmen zur Entschlammung durchgeführt worden, um den Verlandungsprozess aufzuhalten und eine Verbesserung der Wasserqualität zu erreichen. Ergänzend sollen an einigen Gewässern noch Flachwasserbereiche angelegt werden, die besonders für Amphibien und (teilweise) im Wasser lebende Insekten eine Bereicherung der Lebensräume darstellen.

Abbildung 1:  Amphibien wie dieser Teichfrosch lieben flache Wasserzonen mit Steinen, auf denen sie ungestört in der Sonne sitzen können. Foto: LPV Rügen e.V.

Heimische Pflanzen und natürliche Lebensräume

Zum anderen sollen die aquatischen Lebensräume mit Maßnahmen im unmittelbaren Umfeld sinnvoll ergänzt werden. Denn viele wasserbewohnende Arten benötigen zu einigen Jahreszeiten oder Stadien in ihrer Entwicklung auch Landlebensräume. Zur Strukturanreicherung sind daher umfangreiche Pflanzungen aus (gebiets-)heimischen Gehölzen und die Anlage von Totholz- und Steinhaufen vorgesehen. Diese können beispielsweise als Tagesverstecke oder auch Winterquartiere dienen. Die Vorteile von heimischen Gehölzen liegen dabei klar auf der Hand:

  • bessere Anpassung an lokales Klima und Standortbedingungen,
  • dadurch pflegeleichter und auch robuster gegenüber Umwelteinflüssen (bspw. Dürre) sowie Krankheiten und Schädlingen,
  • i.d.R. größerer Nutzen für heimische Fauna (Bienen- und Vogelnährgehölze),
  • Förderung und Erhalt heimischer Arten und der Biodiversität,
  • z.T. vielseitig nutzbar (essbare / nutzbare Früchte, Pflanzenteile mit Heilwirkung, …),
  • optisch ansprechend durch langanhaltende Blüten und Früchte.

Weiterführende Informationen zu einigen heimischen Gehölzen der Insel Rügen finden Sie auch in der Handreichung „Artenportraits einheimischer Gehölzarten“ im Download-Bereich.

Naturschutz in Siedlungsbereichen

Natürlich finden sich die hochwertigsten Lebensräume für seltene Arten in unberührter Natur, die für niemanden zugänglich ist. Jedoch können auch naturnahe Bereiche in Siedlungsgebieten wertvolle Lebensräume darstellen. Denn viele Arten kommen mit einem gewissen Grad an Störung aus, wenn die Qualität der Lebensräume entsprechend hoch ist. Allerdings benötigen Lebensräume in Siedlungen hin und wieder etwas Pflege durch die Gemeinden – deshalb ist es wichtig, dass die Akzeptanz der Maßnahmen und Biotopflächen besonders hoch ist und die Natur vor der Haustür die Wertschätzung erhält, die sie verdient. Dies funktioniert besonders dann, wenn man Entwürfe entwickelt, die Anwohner:innen und Besucher:innen nicht aussperren, sondern ganz gezielt einbeziehen.

Abbildung 2: Der neue Steg fügt sich perfekt in die naturnahe Gestaltung am Dorfteich Gingst ein. Die Gemeinde freut sich jetzt schon sehr darauf, dass die Maßnahmen fertig werden und eine schöne Ruhe-Oase für Anwohner:innen und Besucher:innen mitten im Dorf entsteht. Gemeinden, die ihre Biotope wertschätzen, fällt auch die Pflege dieser leichter. Foto: LPV Rügen e.V.

Nutzbarkeit für höhere Attraktivität der Flächen

Es ist ein Balance-Akt, Nutzung und Naturschutz zu vereinen. Einerseits darf durch die Nutzung nicht zu viel Störung entstehen, andererseits kann man den Menschen nicht außenvorlassen, wenn man naturnahe Flächen in Siedlungen etablieren möchte. Damit mit den InselBiotopen eine Win-Win-Situation für Mensch und Natur erreicht werden kann, sollen die Belange beider Parteien in die Entwürfe einfließen. Während einige Maßnahmen für die Verbesserung der Lebensraumqualität sorgen, gibt es auch mehrere Maßnahmen, um eine gewisse Nutzbarkeit zu ermöglichen. Mit Wegestrukturen aus Schotterrasen und auch dem bereits fertiggestellten Steg in Gingst wird für eine gezielte Besucherlenkung gesorgt, sodass die Flächen grundsätzlich begehbar sind, aber abseitige Bereiche möglichst störungsfrei bleiben. Auch wurde bei der Auswahl der zu pflanzenden Gehölze darauf Wert gelegt, dass Früchte oder andere Pflanzenteile für Anwoher:innen und Besucher:innen nutzbar sind. Mit Infotafeln, die zum Abschluss der jeweiligen Maßnahmen an den einzelnen Gewässern aufgestellt werden sollen, wird den Menschen vor Ort die Natur nähergebracht und Kinder können an Naturerlebniselementen spielerisch lernen. Somit entstehen Begegnungsstätten für Mensch und Natur, von der beide Seiten profitieren.

Zahlen, Daten, Fakten: Der Maßnahmen-Steckbrief für den Steg am Dorfteich Gingst

Maßnahmetyp: Umweltbildung – Infopoint
Ziellebensraum:
Größe: Steg mit ca. 20 m Länge
Umsetzung: April / Mai 2022
Kooperationspartner: Aqua Natur
Kosten: 11.662,00 € (brutto)
Vreni Zimmermann

Sie haben Fragen zur Konzeptionierung von Naturschutzmaßnahmen im Siedlungsraum? Dann nehmen Sie gern Kontakt auf.

Landschaftspflegeverband Rügen e.V.
Vreni Zimmermann
Telefon: 03838 404512
E-Mail: vreni.zimmermann@lpv-ruegen.de