Maßnahmenbeginn zur Umfeldgestaltung in drei Rügener Gemeinden

14. September 2022

Nach einer kleinen Sommerpause begannen im Projekt InselBiotope Anfang August 2022 die ersten größeren Maßnahmen zur naturnahen Gestaltung des Gewässerumfeldes an den Kleingewässern in Gingst, Trent und Patzig. Diese Maßnahmen werten die Trittsteinbiotope auf und tragen zur Erweiterung des Biotopverbundes auf der Insel Rügen bei.

Renaturierung des Gewässerumfeldes

Um die bislang meist intensiv gepflegten und artenarmen Flächen im Umfeld der Kleingewässer ökologisch aufzuwerten, erfolgte nun eine fast vollständige Umgestaltung. Nachdem im Frühjahr 2022 bereits die vorbereitenden Rodungen nicht heimischer oder kranker Gehölze erfolgte, rollte nun schweres Gerät an, um großflächig die Grasnarbe abzutragen. Dabei wurde nur die oberste Schicht des Bodens (10 bis 15 Zentimeter) entfernt und anschließend nährstoffarmes Substrat als Grundlage für artenreiche Blühwiesen aufgetragen. Schotterrasenwege und -flächen zur gezielten Besucherlenkung wurden ebenso angelegt. Die Ansaat mit regionalem Saatgut aus heimischen Gräsern und Kräutern soll noch im Herbst erfolgen, sobald eine feuchtere Witterung einsetzt. Auch die größeren Baumpflanzungen (Hochstämme) kommen erst später im Jahr, voraussichtlich im November, um ein gutes Anwachsen zu gewährleisten. Die übrigen Gehölzpflanzungen aus heimischen Straucharten sind zum Teil schon fertiggestellt.

Abbildung 1: Frische Strauchpflanzungen und für die Ansaat von Blühwiesen und Schotterrasen vorbereitete Flächen am Dorfteich Gingst. Foto: LPV Rügen e.V.

Wertvolle Lebensraumelemente für Amphibien

Die meisten Arten benötigen ein Mosaik aus vielen verschiedenen Lebensraumelementen, um sich in den Biotopen so richtig wohlzufühlen. Amphibien benötigen beispielsweise Flachwasserbereiche, die durch schnelleres Erwärmen zum Verweilen und Sonnen einladen, oder auch Stein- und Totholzhaufen, in denen sie Tagesverstecke und Winterquartiere finden. Daher wurden diese Lebensraumelemente an den Dorfteichen in Gingst und Trent angelegt. Für die Stein- und Totholzhaufen wurde das vor Ort anfallende Material vom Abbruch einiger Betonflächen und kleineren Rodungen wiederverwendet, sodass wertvolle Habitate mit vielen unterschiedlich großen Spalten und Höhlungen entstanden sind.

Abbildung 2: Bei den Bauarbeiten in Gingst gefundene Erdkröte – sie konnte wohlbehalten umgesetzt werden und fand Unterschlupf in der neuen Benjeshecke. Foto: LPV Rügen e.V.

Großer Nutzen für weitere Artengruppen

Unsere Zielartengruppe Amphibien fungiert hier als sogenannte Schirmart („Umbrella species“), was bedeutet, dass die Maßnahmen zugleich auch zahlreichen anderen Arten(-gruppen) zugutekommen. Denn der Flachwasserbereich wird ebenso von vielen wasserbewohnenden Insekten benötigt und Stein- und Totholzhaufen bieten neben Amphibien beispielsweise auch Eidechsen und Kleinsäugern oder verschiedenen Insekten einen wertvollen Lebensraum. So wird das Ökosystem gestärkt und das Nahrungsangebot für viele Arten erheblich verbessert. Die dadurch gewonnene Artenvielfalt können Besucher:innen und Anwohner:innen bereits im kommenden Jahr bewundern. Um die entsprechenden Informationen vor Ort zur Verfügung zu stellen, werden nun verschiedene Infotafeln erarbeitet, die über das Projekt, vorkommende Arten und Lebensräume sowie ökologische Zusammenhänge und den Biotopverbund aufklären.

Zahlen, Daten, Fakten: Der Maßnahmen-Steckbrief für die Umfeldgestaltung in Gingst, Trent und Patzig

Maßnahmetyp: Naturnahe Umfeldgestaltung
Ziellebensraum: Naturnahes Gewässerumfeld
Größe: Gingst: ca. 1.800 m²
Trent: ca. 3.500 m²
Patzig: ca. 10.300 m²
Umsetzung: August – November 2022
Kooperationspartner: Baumschule Rügen
Kosten: 78.297,84 € (brutto)
Vreni Zimmermann

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Landschaftspflegeverband Rügen e.V.
Vreni Zimmermann
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