Wer quakt denn da? Revitalisierung des „Froschteichs“ in Emlichheim

Wasserfrosch

13. April 2021

Neuer Lebensraum für Wasserfrosch, Teichmolch und  Wasserskorpion: Als erste Maßnahme im Projekt „BioGraf“ wurde Anfang des Jahres in Kooperation mit der niedersächsischen Samtgemeinde Emlichheim der rund 500 Quadratmeter große Froschteich im Überschwemmungsbereich der Vechte revitalisiert.

Klein, aber oho: So lautet das Motto für die erste Maßnahme im Projekt „BioGraf“. Denn schließlich reichen schon ein paar Dutzend Quadratmeter Wasserfläche als Lebensraum für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten aus.

Die Vorgeschichte

Froschteich Emlichheim Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim

Verschlammt und verschattet: Der Froschteich im Dezember 2020. Foto: Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim.

Zwischen dem Flusslauf der Vechte und dem Ortskern von Emlichheim liegt eine große Wiese (Extensivgrünland). Vor Jahren wurde hier im Rahmen einer Naturschutzaktion ein rund 500 Quadratmeter großes Flachgewässer angelegt, für das sich rasch der Name „Froschteich“ einbürgerte. Das laute Quaken der Wasserfrösche war vor allem im Sommer zu vernehmen.

Im Lauf der Zeit siedelten sich Weiden- und Erlengebüsch an, sodass das Gewässer immer weiter zuwuchs und beschattet wurde. Durch den Laubfall im Herbst entstand eine dicke Schlammschicht, sodass die Wasserfläche insgesamt auch immer kleiner wurde und komplett zu verschlammen drohte.

Die natürliche Dynamik der Landschaft nachempfinden

Um das Gewässer als Lebensraum für Amphibien und Wasserinsekten zu erhalten, entschieden wir uns in Kooperation mit der Flächeneigentümerin, der Samtgemeinde Emlichheim, für eine Revitalisierungsmaßnahme, die der natürlichen Dynamik der Landschaft nachempfunden ist.

Zur Erklärung: Der Froschteich liegt im Überschwemmungsbereich der  Vechte. Früher konnte der Fluss natürlich fließen; Hochwasser überflutete häufig die ganze Aue, es bildeten sich Sandbänke, Altarme und Kleingewässer. Die Landschaft veränderte sich dynamisch, es entstanden ständig neue Lebensräume.

Doch heute ist die Vechte so ausgebaut, dass Überschwemmungen nur noch selten vorkommen. Das bietet uns Menschen Schutz, ist aber schlecht für die Tiere und Pflanzen. Denn die sind auf dynamische, sich immer wieder verändernde Lebensräume angewiesen.

Bewährtes und gut erprobtes Prinzip

Ausbaggerung des Froschteichs

Der Froschteich wurde gründlich entschlammt. Foto: Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim.

Unser Ansatz bestand also darin, die Auswirkungen eines starken Hochwassers nachzuempfinden. Der Froschteich wurde von Gehölzen und grobem Schlamm befreit – als wäre er gerade neu entstanden oder durch eine Hochwasserwelle komplett freigespült. Klingt vielleicht drastisch, ist aber eine bewährte und gut erprobte Vorgehensweise. Schon in diesem Sommer werden sich wieder Pflanzen und Tiere ansiedeln, die Artenvielfalt wird größer sein als zuvor.

Damit der Froschteich nicht so bald wieder  zuwächst, werden die Ufer von nun an in die Beweidung der angrenzenden Wiese mit einbezogen.

Ausbaggerung des Froschteichs

Der Froschteich im Februar 2021. Foto: Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim.

Klare Gewinner: Sie alle profitieren von der Maßnahme

Der Wasserfrosch

Typisches Geräusch des Sommers: das Quaken der Wasserfrösche. Die Männchen wollen damit Weibchen zur Paarung anlocken. Nach der Paarung entwickeln sich aus dem Froschlaich Kaulquappen, die sich von Algen und Wasserpflanzen ernähren. Schon nach wenigen Wochen haben sie sich zu kleinen Fröschen umgewandelt, das Fachwort dafür lautet Metamorphose. Der Wasserfrosch lebt, anders als andere Amphibienarten, das ganze Jahr über im Wasser.

Wasserfrosch

Der Wasserfrosch (Pelophylax esculentus): gut an seiner leuchtend grünen Farbe mit schwarzen Flecken zu erkennen.
Bildautor: Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim.

Der Teichmolch

Wie ein kleiner Drache sieht das Teichmolch-Männchen in seiner „Wassertracht“ aus. Er trägt sie, wenn er zur Paarungszeit im Sommer im Gewässer lebt. Außerhalb der Paarungszeit lebt er an Land und wechselt dafür sein Äußeres zu einem unscheinbaren gelb-braunen Farbton. Die Weibchen legen ihre Eier an Wasserpflanzen ab. Daraus entwickeln sich kleine Larven mit Kiemen. Sie leben einige Wochen im Wasser und ziehen dann an Land, wo sie zwischen Laub, Wurzeln und Steinen ihre Nahrung – kleine Insekten – finden.

Teichmolch

Der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) trägt im Herbst seine unscheinbare Landtracht, so ist er gut vor Fressfeinden getarnt.

Der Wasserskorpion

Der Wasserskorpion ist kein echter Skorpion, sondern eine Wanze. Er fängt mit seinen langen Fangbeinen Wasserflöhe, Kaulquappen oder Jungfische. Das stachelige Gebilde an seinem Hinterende ist ein Atemrohr, mit dem er wie mit einem Schnorchel Luft von der Wasseroberfläche ansaugt. Mit etwas Glück kann man ihn im flachen Wasser dabei beobachten.

Wasserskorpion

Ein Wasserskorpion (Nepa cinerea). Foto: Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim

Zahlen, Daten, Fakten: Der Maßnahmen-Steckbrief

Maßnahmetyp: Entschlammung und Entkusselung eines Kleingewässers
Ziellebensraum: Naturnahes Kleingewässer
Größe: rund 500 Quadratmeter
Umsetzung: Januar/Februar 2021
Kooperationspartner: Samtgemeinde Emlichheim
Kosten: < 10.000 €, inkl. MwSt., ohne Planungs- und Genehmigungskosten

Auch im eigenen Garten trägt schon ein kleiner Teich zur Artenvielfalt bei. Und bietet außerdem das ganze Jahr über viele interessante Beobachtungsmöglichkeiten. Übrigens: Selbst ein Biotop anzulegen, ist ganz einfach. Wir sagen Ihnen, worauf es dabei ankommt.

Manuela Monzka

Weitere Informationen zum Biotopverbund BioGraf:
Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim
Manuela Monzka
Telefon: 05921 96-1620
E-Mail: manuela.monzka@Grafschaft.de